2010 - 154 Jahre Schützenverein
Die Geschicht
 
Horneburg um die Jahrhundertwende
Nach dem 1. Weltkrieg
Ein neues Gelände
Einweihung des Schießstandes
Anträge und Beschlüsse
Die neue Festhalle
Nach dem 1. Weltkrieg

Der 1. Weltkrieg unterbrach das Vereins-leben nachhaltig. Aus dieser Zeit sind keine Aufzeichnungen erhalten geblieben. Erst 1921 konnte die Tradition der Horneburger Schützenfeste fortgesetzt werden. Nach den langen Kriegs- und Nachkriegsjahren hatten offensichtlich viele Menschen den Wunsch, sich in einem Verein sportlich oder gesellig zu betätigen, und so hatte auch unser Schützenverein in jener Zeit einen starken Mitgliederzuwachs zu ver-zeichnen. Er zählte jetzt 146 Mitglieder.

1922 wurde erstmals ein Wintervergnügen gefeiert. Es fand in Stechmanns Gasthaus statt. Die Durchführung der Schützenfeste scheint damals jedoch recht schwierig gewesen zu sein. So heißt es am 8. Juni 1922 bei der Planung für das Schützenfest:
" Der Vorstand wird versuchen ein Schützenzelt zu bekommen. Sollte ein Zelt zum angemessenen Preise zu pachten sein, so soll das Fest in der althergebrachten Weise auf dem Schützenplatz im Kühlen Grunde gefeiert werden. Es soll dann dem Vorstand überlassen bleiben alles Weitere mit den Wirten zu vereinbaren. Sollten die Vergnü- gen im Orte gefeiert werden müssen, so wurde mit 25 gegen15 Stimmen angenommen, dass in 2 Sälen getanzt und in einem dritten Lokal eine Sängergesellschaft auftreten soll."

Schließlich konnte das Schützenfest 1922 dann doch auf dem Schützenplatz gefeiert werden.

 

Ein neues Gelände

Während der Inflationszeit wird am 5. Juli 1923 die Musik "Herrn Theo Leue für 2.000 000 M übergeben. Der Eintritt für Herren soll an jedem Festtag 10.000 M, für Damen 500 M betragen." Der Schießstand im Kühlen Grunde war jedoch in der Kriegszeit stark verfallen, und so war man bemüht, ein neues, möglichst vereinseigenes Gelände für einen Schützenplatz und Schießstand zu finden.

Auf der Suche nach einem geeignetem Grundstück sprach sich die dazu gewählte Kommission mit dem Vorsitzenden Heinrich Meldau für das von Herrn Rittmeister Otto von Düringdem Verein zur Verfügung gestellte Wiesengelände im Bullenbruch aus. Der Schriftführer D. Augustin schreibt dazu im Protokoll der Generalversammlung vom 28. Februar 1924:
"Punkt I. Wo soll der Schießstand errichtet werden? Es wurde von der Generalversammlung fast einstimmig beschlossen, den neu zu bauenden Schießstand auf dem von Herrn Rittmeister von Düring zur Verfügung gestellten Gelände auszuführen.
Punkt II. Wie soll der Schießstand gebaut werden? Von der Generalversammlung wurde einstimmig angenommen, den Schießstand nach der Ausführung des Herrn Kreisbaumeisters Brandes, Stade, zu bauen. Es sollen 2 Stände a 300 Meter und 6 Stände a 175 Meter errichtet werden.
Punkt III. Finanzierung. Jedes Schützenmitglied ist verpflichtet, einen Sonderbeitrag von 20,- M in 4 Raten zu zahlen, die nicht zurückvergütet werden. Diese 20,- M sollen von den freiwillig gegebenen Darlehen in Abzug gebracht werden. Die Raten sind zu zahlen am 15. März, 15. April, 15. Mai und 15. Juni 1924.
Punkt IV. Wahl einer mit ganzer Vollmacht zum Bau des Schießstandes zu wählenden Kommission. Als Kommission zur Ausfüh-rung des Schießstandes sind die Schützenbrüder Rittmeister von Düring, H. Meldau, Klaus Merkens, Joh. Meinke sen., W. Stahmleder, W. Schwarz und W. Weichert gewählt. Der Kommission ist ganze Vollmacht erteilt.
Punkt V. Der Schützenverein trägt die Erbauung des ganzen Schießstandes. Die im Schießzelt eingebaute Wirtschaft soll verpachtet werden.
Punkt VI. Zum Anwerben von Zeichnungen (Darlehen) zum Bau des Schießstandes sind für die Umgegend die Schützenbrüder W. Weichert und H. Witz bestimmt. Für Horneburg: Schützenbrüder Richard Koch, Carl Plötzky, Carl Leue."

Zur weiteren Finanzierung zum Bau des Schießstandes ließ man sich für M 75,- 12.000 Bausteine drucken: Sie wurden zu je 12 Stück mit einer Befürwortung des Herrn Landrates an etwa 150 Schützenvereine im Deutschen Reich verschickt. Ich fand u.a. folgende Anschriften:
" Privilegierte Schützengesellschaft zu Bischofswerda"
" Büchsenschützen-Kompanie Weimar"
" Jenaer Scharfschützen e.V."
" Zimmerstutzen-Schützengesellschaft Coburg"
ferner: Heidelberg, Bitterfeld, Magdeburg, Tangermünde, Spandau und viele andere. Bis auf den "Stendaler Schützenverein", der 3,- Mark schickte, und die "Zimmerstutzen-Schützengesellschaft Tell e.V. Kulmbach", die für 6 Mark Bausteine verkaufen konnte, wurden alle anderen Bitten abschlägig beschieden. So liest man zum Beispiel aus Haspe:
"Liebenswerte Schützenbrüder!
Im Besitze Ihres Schreibens muss ich leider mitteilen, dass unsere Mitglieder in der am letzten Sonntag stattgefundenen Versammlung von den Bausteinen wenig erbaut waren."

 


Die "Electr. Centrale" ist 1895 errichtet worden.


Schützenbruder Klaus Merkens erbaute 1924 den Schießstand.


Rittmeister Otto von Düring


1927: Gäste beim Schützenkönig Carl Lausen in der Wilhelmstraße


1956: Hinrich-Witz-Allee


Die Schützen sind 1930 bei ihrem Schützenkönig
Hinrich Stechmann in der Langen Straße angetreten.
Im Hintergrund steht die Schmiede von Karl Heitzen


Klaus Merkens Erbauer unseres Schießstandes 1924
und unserer Festhalle 1931 als Schützenkönig 1926


Gerd Heinssen Jungschützenkönig 1931


Schützenfest-Nachfeier 1931


Die Musikkapelle bringt dem Schützenkönig
Wilhelm Merkens II 1932 zum Königsfrühstück in
seinem Haus auf dem Schragenberg ein Ständchen.
Die Musikanten trugen früher immer einen Gehrock
und Zylinder. Den Zylinder haben sie abgesetzt.

oder aus Uerdingen:
" Unser Verein ruht schon die ganzen Jahre wegen der Besatzung, unsere Scheibenstände sind beschlagnahmt, so dass wir überhauüt nicht in der Lage sind, irgend eine Veranstaltung auszuführen, wodurch wir eine Einnahme erzielen könnten."
Die meisten der vielen Antwortschreiben sind sehr ausführlich gehalten und spiegeln ein recht eindringliches Bild über die schwierige Situation der meisten deutschen Schützenvereine in der Zeit nach dem 1. Weltkrieg wide
r.


Einweihung des Schießstandes

Am 13. Juli 1924 erfolgte die Einweihung des neuen Schießstandes mit einer Fest-rede unseres Schützenbruders Otto von Düring. Aus diesem Anlaß schenkte er dem Verein das Gelände, auf dem der Schießstand errichtet war, und noch die Fläche des heutigen Schützenplatzes. Nach 68 Jahren seit seiner Gründung hatte der Schützenverein Horneburg damit auf einer etwa 3 ha großen Fläche einen eigenen Schießstand und einen eigenen Schützen-platz. Zum Dank für dieses hochherzige Geschenk, das die künftige Entwicklung des Vereins entscheidend beeinflußte, veranstalteten die Horneburger Schützen zum Geburtstag ihres Schützenbruders Otto von Düring am 8. August 1924 einen Fackelumzug zum Schloß am Marsch-damm und ernannten ihn zum Ehren-Vorsitzenden.

" Durch den neuen, modernen Stand, der allen Vorschriften des Deutschen Schützenbundes entspricht, wurde der Schießsport im Verein wieder stark belebt. Vom April bis in den Herbst hinein wird namentlich an den Sonntagen auf dem neuen Stand eifrig geschossen. Um auch dem Freihandschießen zu seinem Rechte zu verhelfen, wurde am 30. Juli 1927 die Gründung eines Freihandschießvereins beschlossen.

Im Jahr 1927 wurde der Kreisschießverband-Stade gegründet, der unser Verein als Mitglied beitrat. Das erste Kreisverbandsschießen fand am 9. September 1928 hierselbst statt."
(Aus der Festschrift zum 75-jährigen Jubiläum 1931)

Das Stader Tageblatt berichtete dazu: "Wenn der Herbst naht, beginnen auch die Ablschlußprüfungen im Schießsport; so fand das unterelbische Freihandschießen bereits in Horneburg statt, und ist vom Festort in anerkennenswerter Weise promt abgewickelt worden."

Anträge und Beschlüsse

Zum Schützenfest 1924 empfahl sich auf dem Festplatz "Heinr. Rathjens Tanzzelt" mit großem Festball an beiden Tagen "bei dezenter Musik".

In der Generalversammlung am 27. März 1925 "wird angeregt, beim Ausmarsch am Schützenfest keinen Strohhut zu tragen. Ferner wurde über evtl. Anschaffung von Schützenjoppen gesprochen. Es sollen die Schneidermeister sich über gleiche Verarbeitung beraten...

Schützenbruder W. Schering stellte den Antrag, die erste Blende um 5 cm zu erhöhen, wenn die Sicherheit es gestattet. Vom Schützenbruder Fritz Reuter wurde der Antrag gestellt, die Scheiben zu überdachen. Sobald die Mittel des Vereins es erlauben, soll es die erste Aufgabe sein...

Den eifrigen Bemühungen des Schützenbruders Klaus Merkens ist es gelungen, von Herrn Oberförster Lüdecke vom Forstamt Stade ca. 200 Stück Eichen- und Buchen-pflanzen als Geschenk für den Verein zu erhalten; ihm wird hierfür der ganz besondere Dank des Vereins ausgesprochen..."

Von nun an wuchs der Schützenpark mit seinen mächtigen, jetzt 56 Jahre alten Baumgruppen neben dem damals schon vorhandenen Baumbestand heran, der in der Niederung im Südosten des Fleckens Horneburg eine imposante Kulisse bildet. 1933 wurde die Baumpflanzung noch einmal abgerundet, als der damalige Schützenkönig Hinrich Witz dem Verein eine Reihe jungen Lindenbäume schenkte. Die Baumgruppe parallel zum Schießstand wurde darum "Hinrich-Witz-Allee" getauft.

Am 22. April 1928 wurde Rudolf Löhden einstimmig als Vorsitzender gewählt und der bisherige Vorsitzende Heinrich Meldau, der von 1928 bis 1953 nach Nordamerika auswanderte, zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Beide Schützenbrüder haben sich als Vorsitzende große Verdienste um die Entwicklung des Schützenvereins Horneburg erworben.

1828 starb der Ehrenvorsitzende Otto von Düring. Zu seiner Erinnerung wird seit 1929 bei jedem Schützenfest auf der "Otto von Düring´schen Erinnerungsscheiben" um die höchste Ringzahl geschossen.

Bereits 1926 konnten auch die geselligen Veranstaltungen während der Schützenfeste auf dem Schützenplatz in einer provisorischen Schützenhalle gefeiert werden. Schützenbruder Klaus Merkens hatte sie auf eigene Rechnung erbaut. Die Tanzfläche war 9 x 15 Meter groß. Nach jedem Schützenfest wurde die Halle wieder abgebaut, und als man sie 1930 erstmals für das nächste Jahr hatte stehen lassen, brannte sie im Herbst 1930 ab. Da sie aus trockenen Kiefernbrettern bestand, war sie in wenigen Minuten vernichtet, so dass auch die Freiwillige Feuerwehr Horneburg mit ihrer Magrius-Motorspritze nichts mehr retten konnte.

Die neue Festhalle

Aber der unermüdliche und uneigennützige Schützenbruder Klaus Merkens hatte schnell Pläne für die Erbauung einer neuen Festhalle mit massivem Sockel. In der Urkunde über die Errichtung der Festhalle heißt es u.a.:

"Frau K. Merkens baut auf dem, dem Schützenverein Horneburg gehörendem Grund-stück in Hopfenhöfen eine Festhalle im Wert von circa RM 12.000,- fix und fertig mit Beleuchtungsanlage und genügend großem Feuerherd...
Frau Merkens verpachtet dem Schützenverein diese Halle zunächst auf 10 Jahre, und zwar bis zum 1. Januar 1941 zum jährlichen Pachtzins von RM 450,-. Für Lichtanlage und Feuerherd kommen jährlich 150,- M hinzu, also insgesamt RM 600,-. Der Schützenverein gibt zum Bau der Halle Frau K. Merkens ein Darlehn von 8.000,- RM."

Anläßlich des 75jährigen Jubiläumsschützenfestes war die Einweihung der neuen Festhalle. Viele auswärtige Schützen kamen, um dem Horneburger Schützenverein zu seinem 75. Geburtstag zu gratulieren. Leider wurde der Festzug am 1. Festtag durch einen schweren Gewitterregen gestört. Am 13. Juli wurde im Schützenpark nach Ein-tritt der Dunkelheit ein "Großes Prachtfeuerwerk" entzündet.

Die Jubiläumsmajestäten waren:
Wilhelm Merkens II, Schützenkönig
Hermann Saul, Vogelkönig
Gerd Heinssen, Jungschützenkönig
Karl Walther, Jungschützenvogelkönig