2010 - 154 Jahre Schützenverein
Die Geschicht
 
Die Kriegszeit (1933 - 1945)

Das Herannahen der verhängnisvollen Zeit des Nationalsozialismus läßt sich durch Artikel in den Heimatzeitungen vielfach belegen. So berichtet das Stader Tageblatt am 7. September 1931 über eine "Nationalsozialistische Tagung auf dem Dobrock" die mit einem "Feldgottesdienst" und der "Weihe von drei neuen Sturmfahnen" durch einen Pastor eingeleitet wurde. Schon hier werden deutlich die künftigen Methoden der "Partei" sichtbar.

 
Heimatfest 1933
 
   
Am 31. Oktober 1933 stirbt der Vorsitzende Rudolf Löhden im Alter von 61 Jahren, und Schützenbruder Otto Roffmann tritt bis 1938 die Nachfolge an.

Im Frühjahr 1933 soll ein "Heimatfest" mit Beteiligung aller Horneburger Vereine und Verbände dazu beitragen, die nationalsozialistischen Ideen den Bürgern nahezubringen.

Am 27. Dezember 1933 findet im Hotel Kaiserhof in Stade eine "Außerordentliche Versammlung des Niederelbischen Bezirksvereins für Freihandschießen" statt: Das Protokoll enthält folgende aufschlußreiche Sätze:

"Schützenbrüder!
Mit Ablauf dieses Jahres beginnt für unser deutsches Schützenwesen ein neuer Kurs, und damit haben wir heute über Sein oder Nichtsein unseres Niederelbischen Bezirksvereins zu beraten. - Ich glaube aber, dass wir von der alten Garde vor der Zukunft, wie sie uns heute gezeigt wird, nicht zu bangen brauchen...

Wenn heute allgemein die Jugend führend sein soll, so wollen auch wir dieses begrüßen. Wir sind aber auch noch jung genug, um nach unserem alten Geist den nationalen Sinn von heute zu erfassen und in diesem Sinne weiterzustreben wie bisher. Es ist bei uns allen restlos der Wille vorhanden, sich anzupassen und wenn nötig, sich umzustellen, aber nicht aufzugeben! Somit sagen wir vom Vorstand: Die Bahn frei und legen damit unser Amt nieder, verpflichten uns aber, bis zur Neuregelung die Geschäfte fortzuführen und danken für das uns stets entgegengebrachte Vertrauen."

Im Juni 1934 findet in Horneburg ein "vorbildlicher Kameradschaftsabend des Sturmes 33/31" statt. Dem Niederelbischen Tageblatt ging darüber folgender Bericht zu:
" Der Entschluss, entgegen der Meinung der Horneburger Spießbürger und der in diesem Ort noch ziemlich stark vertretenen Moralfatzken, einen in unserem Sinne geführten deutschen Abend steigen zu lassen, war bereits seit Wochen gefaßt...
Entgegen dem Wunsch derjenigen Horneburger, die nun einmal die Ewiggestrigen bleiben werden, war der Saal des Parteilokales lange vor Beginn restlos gefüllt.
Ein deutscher Tanz beendete den Kameradschaftsabend der SA in Horneburg, ein Abend, der trotz der Gegenwünsche gewisser Kreise vorbildlich und nachahmenswert war."

Seit 1934 findet jährlich ein sogenanntes "Opferschießen für das Winterhilfswerk" statt, an dem sich alle Schützenvereine des Deutschen Schützenbundes beteiligen müssen. Auch kleinste nach dem Opferschießen noch ausstehende Geldbeträge werden vom "Kreissportleiter der NSDAP" ständig angemahnt.

Am 25. Juli 1937 erhält der Schützenverein Horneburg folgendes Schreiben der NSDAP:
" Bei dem von Ihnen veranstalteten Schützenfest sind lt. der uns vorliegenden Meldung keine Sportgroschen von Ihnen verausgabt worden. Lt. gesetzlicher Bestimmung ist bei allen sportlichen Veranstaltungen der Sportgroschen zu erheben und haben Sie somit gegen die Verfügung des Reichsministers des Innern vom 30. August 1934 Nr. III: 4100/19.6. verstoßen.
Wir überreichen Ihnen anliegend ein nachträgliches Sportgroschen-Erhebungsblatt und erwarten Überweisung des Gegenwertes der nicht von Ihnen verausgabten Sport-groschen bis zum 30. ds. Mts. auf unser Postscheckkonto...
Wir ersuchen um Einhaltung des Termins in Ihrem eigenen Interesse."

So grotesk uns dieses Mahnschreiben heute auch anmuten mag, so sehr zeigt es doch, wie die Nationalsozialisten des Menschen jeglichen Freiraum nahmen. Sind noch in den zwanziger Jahren die Schriftstücke des Horneburger Schützenvereins mit "Schützengruß" oder "Treudeutschem Schützengruß" unterzeichnet, so heißt es 1933 "Schützenheil - Heil Hitler!" und schließlich seit etwa 1936 nur noch "Heil Hitler!"

Der Vorsitzende des Horneburger Schützenvereins muß sich jetzt "Vereinsführer" nennen. Es wird die neue "Anrede- und Grußordnung" bekanntgegeben; und so werden aus "Schützenbrüdern" jetzt "Schützenkameraden" und tragen den "Schützen-einheitshut". Selbst die Vereinssatzungen werden zu "Einheitssatzungen" umgeformt. Im "gesamten deutschen Reichsgebiet" werden "vom Deutschen Schützenverbande Bestimmungen herausgegeben, nach denen jeder Volksgenosse sich am Schießen beteiligen und Volksschützenkönig werden kann."

Ein Horneburger Schützenbruder schreibt 1935 aus Bayern, wo er sich zur Kur aufhielt, an den damaligen "Vereinsführer" des Schützenvereins Horneburg:
" ...Wir ordnungsliebenden Norddeutschen regen uns viel zu viel bei dem ganzen Kram auf und nehmen alles viel zu wichtig. Sie müßten mal hier unten in Bayern hören und sehen, da würden Sie staunen! Alles mit der Ruhe, so lassen Sie es uns man in diesen Schützendingen auch halten, wer weiß, was uns der neue Schützenbund bringt..."

1938 wird Schützenbruder Bernhard Gerkens Vorsitzender unseres Vereins. Während der 30er Jahre wurde laufend an der Vervollkommnung und Verbesserung des Schießstandes und des Festplatzes gearbeitet. So wurde 1937 der Kleinkaliber Schießstand auf 50 Meter herangebracht. 1938 wurden Schieß- und Festhalle in Eigenarbeit der Schützen vom Vordamm her mit einwandfreiem Trinkwasser versorgt, so dass der leidige Pendelverkehr mit Kannen und Kübeln endlich aufhörte. 1939 wurde neben der Schießhalle eine Toilettenanlage gebaut.

Im Juli 1939 konnte noch das Schützenfest in althergebrachter Weise gefeiert werden, doch wenige Wochen später brach der 2. Weltkrieg aus, und gleich in den ersten Tagen wurden über 50 Schützenbrüder zur Wehrmacht eingezogen. Obwohl es der "Führer" zunächst ausdrücklich verlangte, auch im Krieg die Schützenfeste weiterzufeiern, sollte es in Horneburg zehn Jahre dauern, bis wieder ein Schützenfest gefeiert werden konnte.

Während der Kriegszeit wurde die Festhalle durch die Wehrmacht beschlagnahmt; in der Schießhalle war zeitweilig ein Kindergarten untergebracht, oder sie diente als Notunterkunft. Der Zugang zur Schießhalle wurde den Schützen schließlich ganz verwehrt.

Nach dem Krieg wurden 1945 sämtliche Schützenvereine durch die Alliierten verboten und ihr ganzes Vermögen beschlagnahmt. Die Schießhalle wurde für Wohn-zwecke umgebaut, und die Festhalle diente einem eisenverarbeiteten Betrieb als Unter-kunft. Der Schützenpark verödete! Unser Schützenbruder Karl Franke führte 1947 die Horneburger Einwohner - darunter auch viele Schützen - zu einem ersten geselligen Klub unter dem Namen "Alleweil Fidel" zusammen. Der Klub besteht jetzt noch jung und mit Schwung wie immer.

Für Schützenvereine wurden die scharfen Bestimmungen der Alliierten allmählich gelockert, und so konnte 1949 auch in Horneburg wieder ein Schützenfest gefeiert werden. Da der Schützenplatz immer noch beschlagnahmt war, wurden die ersten Schützenfeste bis 1952 in Hauschild´s Tivoli gefeiert. Der Schützenkönig wurde mit dem Luftgewehr und der Vogelkönig mit der Armbrust ermittelt. Karl Walther erinnert sich, wie er die aus Zeven oder Selsingen besorgte Armbrust hinter seinem Haus auf der Wiese von Wilhelm Klug ausprobierte, um die Durchschlagskraft der Pfeile aus ca. 30 Meter Entfernung herauszubringen. Nach den Erfahrungen dieses "Probeschießens" konnte er dann die Vögel für den Vogel-Schießstand bauen. Dennoch gab es vor dem Schützenfest 1949 noch einmal Aufregung, als ein englischer Offizier feststellte, dass ja auch die Armbrust eine tödliche und somit verbotene Waffe sei. Wäre er, wie angekündigt, zum Schützenfest erschienen, dann hätte das Vogel-schießen in jenem Jahr sicher nicht statt-finden können.

Den Festumzug am Schützenfest-Sonntag 1949 hatte die Militärregierung zwar genehmigt, Marschmusik durfte jedoch nicht mitgeführt werden. Was machten die Horneburger Schützen daraufhin? Sie setzten die Musiker auf einen vom Schützenbruder Hans Meyer zur Verfügung gestellten Lastkraftwagen und ließen sie im "überschlagenden Einsatz" an den Hauptpunkten im Ort, die der Festzug berührte, zum Marsch aufspielen. So gelangte man unter flotten Marschweisen zum Tivoli.


Schützenfest 1953
Marsch über die provisorische Auebrücke
(jetzt Friedensbrücke) Schützenkönig Willi Stubbe, Vogelkönig Hans Zülow.


Festzug 1951
mit Vogelkönig Diedrich Helmcke.


Festzug 1955


Schießhallen-Anbau


1953: Schießen im neuen Schießstand

Nachdem das Vereinsvermögen Ende des Jahres 1950 wieder freigegeben war, begannen die Jahre der Planung, des Wiederaufbaues und der Erweiterung und Verbesserung unserer Anlagen. Unser 1972 verstorbener verdienstvoller Schützenbruder Wilhelm Schering schrieb darüber in der Festschrift zum 100jährigen Jubiläum:
" ...alle Arbeiten wurden mit dem rechten, nie erstorbenen Schützengeist angepackt und der überwiegende Teil aller Arbeiten von den Alt- und Jungschützen und sogar von den Ehrenmitgliedern in freiwilligem Arbeits-dienst geleistet! Zuerst wurde auf einer außerordentlichen Generalversammlung der Bau von vorläufig acht 50 m-Ständen aus massivem Material - Bimssteinen und T-Trägern - beschlossen. Für die Durchführung dieser Arbeiten haben sich der derzeitige Vorsitzende Bernhard Gerkens und der derzeitige Waffenwart Karl Walther sehr eingesetzt.

Schließlich waren die Arbeiten so weit vorangetrieben, dass noch am Sonntag vor unserem Schützenfest 1952 ein Preisschießen mit Kleinkaliber-Gewehren auf dem neuen Schießstand abgehalten werden konnte. Die Schieß- und Festhalle waren aber noch immer belegt, so dass unser eigentliches Schützenfest noch in Hauschild´s Tivoli gefeiert werden musste, jedoch zum letzten Male. Wir wollen aber an dieser Stelle festhalten, dass unsere Stimmung und unser Schwung unter all diesen Einschränkungen nie gelitten haben!"

Schließlich erhielten die Mieter der Schießhalle neuen Wohnraum, und bald hatte die Halle ihr altes Gesicht zurückerhalten und wurde durch einen Küchen- und Waffenraum-Anbau zum Schützenplatz hin sogar noch erheblich erweitert.