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31. Oktober 1933 stirbt der Vorsitzende Rudolf Löhden im Alter von 61 Jahren,
und Schützenbruder Otto Roffmann tritt bis 1938 die Nachfolge
an. Im
Frühjahr 1933 soll ein "Heimatfest" mit Beteiligung
aller Horneburger Vereine und Verbände dazu beitragen, die
nationalsozialistischen Ideen den Bürgern nahezubringen. Am 27. Dezember 1933
findet im Hotel Kaiserhof in Stade eine "Außerordentliche
Versammlung des Niederelbischen Bezirksvereins für Freihandschießen" statt:
Das Protokoll enthält folgende aufschlußreiche Sätze: "Schützenbrüder!
Mit Ablauf dieses Jahres beginnt für unser deutsches Schützenwesen
ein neuer Kurs, und damit haben wir heute über Sein oder Nichtsein
unseres Niederelbischen Bezirksvereins zu beraten. - Ich glaube
aber, dass wir von der alten Garde vor der Zukunft, wie sie uns
heute gezeigt wird, nicht zu bangen brauchen... Wenn heute
allgemein die Jugend führend sein soll, so wollen
auch wir dieses begrüßen. Wir sind aber auch noch
jung genug, um nach unserem alten Geist den nationalen Sinn von
heute zu erfassen und in diesem Sinne weiterzustreben wie bisher.
Es ist bei uns allen restlos der Wille vorhanden, sich anzupassen
und wenn nötig, sich umzustellen, aber nicht aufzugeben! Somit
sagen wir vom Vorstand: Die Bahn frei und legen damit unser Amt
nieder, verpflichten uns aber, bis zur Neuregelung die Geschäfte
fortzuführen und danken für das uns stets entgegengebrachte
Vertrauen." Im Juni 1934 findet
in Horneburg ein "vorbildlicher Kameradschaftsabend
des Sturmes 33/31" statt. Dem Niederelbischen Tageblatt ging
darüber folgender Bericht zu:
"
Der Entschluss, entgegen der Meinung der Horneburger Spießbürger
und der in diesem Ort noch ziemlich stark vertretenen Moralfatzken,
einen in unserem Sinne geführten deutschen Abend steigen zu
lassen, war bereits seit Wochen gefaßt...
Entgegen dem Wunsch derjenigen Horneburger, die nun einmal die
Ewiggestrigen bleiben werden, war der Saal des Parteilokales lange
vor Beginn restlos gefüllt.
Ein deutscher Tanz beendete den Kameradschaftsabend der SA in Horneburg,
ein Abend, der trotz der Gegenwünsche gewisser Kreise vorbildlich
und nachahmenswert war." Seit 1934 findet jährlich ein sogenanntes "Opferschießen
für das Winterhilfswerk" statt, an dem sich alle Schützenvereine
des Deutschen Schützenbundes beteiligen müssen. Auch
kleinste nach dem Opferschießen noch ausstehende Geldbeträge
werden vom "Kreissportleiter der NSDAP" ständig
angemahnt. Am 25. Juli 1937 erhält der Schützenverein
Horneburg folgendes Schreiben der NSDAP:
"
Bei dem von Ihnen veranstalteten Schützenfest sind lt. der
uns vorliegenden Meldung keine Sportgroschen von Ihnen verausgabt
worden. Lt. gesetzlicher Bestimmung ist bei allen sportlichen Veranstaltungen
der Sportgroschen zu erheben und haben Sie somit gegen die Verfügung
des Reichsministers des Innern vom 30. August 1934 Nr. III: 4100/19.6.
verstoßen.
Wir überreichen Ihnen anliegend ein nachträgliches Sportgroschen-Erhebungsblatt
und erwarten Überweisung des Gegenwertes der nicht von Ihnen
verausgabten Sport-groschen bis zum 30. ds. Mts. auf unser Postscheckkonto...
Wir ersuchen um Einhaltung des Termins in Ihrem eigenen Interesse." So grotesk uns dieses
Mahnschreiben heute auch anmuten mag, so sehr zeigt es doch,
wie die Nationalsozialisten des Menschen jeglichen
Freiraum nahmen. Sind noch in den zwanziger Jahren die Schriftstücke
des Horneburger Schützenvereins mit "Schützengruß" oder "Treudeutschem
Schützengruß" unterzeichnet, so heißt es
1933 "Schützenheil - Heil Hitler!" und schließlich
seit etwa 1936 nur noch "Heil Hitler!" Der Vorsitzende des
Horneburger Schützenvereins muß sich
jetzt "Vereinsführer" nennen. Es wird die neue "Anrede-
und Grußordnung" bekanntgegeben; und so werden aus "Schützenbrüdern" jetzt "Schützenkameraden" und
tragen den "Schützen-einheitshut". Selbst die Vereinssatzungen
werden zu "Einheitssatzungen" umgeformt. Im "gesamten
deutschen Reichsgebiet" werden "vom Deutschen Schützenverbande
Bestimmungen herausgegeben, nach denen jeder Volksgenosse sich
am Schießen beteiligen und Volksschützenkönig werden
kann." Ein Horneburger
Schützenbruder schreibt 1935 aus Bayern,
wo er sich zur Kur aufhielt, an den damaligen "Vereinsführer" des
Schützenvereins Horneburg:
"
...Wir ordnungsliebenden Norddeutschen regen uns viel zu viel bei
dem ganzen Kram auf und nehmen alles viel zu wichtig. Sie müßten
mal hier unten in Bayern hören und sehen, da würden Sie
staunen! Alles mit der Ruhe, so lassen Sie es uns man in diesen
Schützendingen auch halten, wer weiß, was uns der neue
Schützenbund bringt..." 1938 wird Schützenbruder
Bernhard Gerkens Vorsitzender unseres Vereins. Während der
30er Jahre wurde laufend an der Vervollkommnung und Verbesserung
des Schießstandes und des Festplatzes
gearbeitet. So wurde 1937 der Kleinkaliber Schießstand auf
50 Meter herangebracht. 1938 wurden Schieß- und Festhalle
in Eigenarbeit der Schützen vom Vordamm her mit einwandfreiem
Trinkwasser versorgt, so dass der leidige Pendelverkehr mit Kannen
und Kübeln endlich aufhörte. 1939 wurde neben der Schießhalle
eine Toilettenanlage gebaut. Im Juli 1939
konnte noch das Schützenfest in althergebrachter
Weise gefeiert werden, doch wenige Wochen später brach der
2. Weltkrieg aus, und gleich in den ersten Tagen wurden über
50 Schützenbrüder zur Wehrmacht eingezogen. Obwohl es
der "Führer" zunächst ausdrücklich verlangte,
auch im Krieg die Schützenfeste weiterzufeiern, sollte es
in Horneburg zehn Jahre dauern, bis wieder ein Schützenfest
gefeiert werden konnte. Während
der Kriegszeit wurde die Festhalle durch die Wehrmacht beschlagnahmt;
in der Schießhalle war zeitweilig ein Kindergarten
untergebracht, oder sie diente als Notunterkunft. Der Zugang zur
Schießhalle wurde den Schützen schließlich ganz
verwehrt.
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